Eine Datenanalyse von 1,1 Millionen Klavier-Lernenden zeigt: Der Mai ist der beste Monat für einen Neuanfang. Mai-Starter bleiben 23 % häufiger dabei als der Durchschnitt.
Der Monat macht den Unterschied
Rund 90 % aller Musikinstrumenten-Anfänger geben innerhalb der ersten zwölf Monate auf, stellte Fender-CEO Andy Mooney bereits 2019 fest. Doch wann innerhalb eines Jahres jemand beginnt, beeinflusst die Chance, weiterzumachen, offenbar erheblich.
Anfang 2026 veröffentlichten die Klavierlern-App Skoove und das Berliner Datenstudio DataPulse Research eine Analyse der Nutzungsdaten von 1.137.446 Lernenden über vier Jahre (2021 bis 2024). Jetzt, drei Monate später, zeigen die Daten besonders deutlich: Der Mai ist der beste Monat, um mit dem Klavier anzufangen. Und wer jetzt beginnt, spielt im August die ersten Songs.
Der beste und der schlechteste Monat
Im Mittelpunkt der Analyse steht die Aktivität der Nutzenden nach einem Zeitraum von sechs Monaten. Die Lernenden wurden nach ihrem Startmonat in Kohorten unterteilt und ihre Engagement-Raten verglichen. Das Ergebnis:
- Mai-Starter bleiben mit 23 % höherer Wahrscheinlichkeit als der Durchschnitt auch nach sechs Monaten aktiv, der höchste Wert aller zwölf Monate.
- April-Starter liegen 18 % über dem Durchschnitt, Juni-Starter bei +21 %.
- Januar-Starter, die klassischen Neujahrsvorsatz-Lerner, liegen 21 % unter dem Durchschnitt.
- Dezember-Starter schneiden am schlechtesten ab: 28 % unter dem Durchschnitt.
Der Unterschied zwischen dem besten und dem schlechtesten Startmonat beträgt damit über 50 Prozentpunkte.
Der Januar bringt mit Abstand die meisten Neuanmeldungen, der Mai deutlich weniger. Eine naheliegende Frage: Schneiden Mai-Starter deshalb besser ab, weil sie eine kleinere, von vornherein motiviertere Gruppe sind? Vermutlich ja: Wer ohne den Druck eines symbolischen Datums startet, trifft eine bewusstere Entscheidung, und das ist ein starker Prädiktor dafür, ob er dranbleibt.
Warum das Timing so wichtig ist
Die Verhaltensforschung liefert dafür eine Erklärung: den sogenannten „Fresh Start Effect". Eine 2014 im Fachjournal “Management Science” veröffentlichte Studie der Wharton School (Dai, Milkman & Riis) zeigt, dass zeitliche Meilensteine wie Neujahr Menschen zwar zum Anfangen motivieren, aber keine Garantie für langfristiges Durchhalten bieten.
Im Mai fehlt dieser externe Impuls eines gesellschaftlichen Rituals. Stattdessen wirken saisonale Faktoren als natürliches Fundament: längere Tage, mehr Licht, mehr Energie. Wer in dieser Phase beginnt, tut es aus eigenem Antrieb und intrinsischer Motivation, nicht weil der Kalender es verlangt.
Die 66-Tage-Hürde: Wann aus Vorsatz Gewohnheit wird
Die Verhaltensforscherin Phillippa Lally (University College London) wies 2010 nach, dass es im Durchschnitt 66 Tage dauert, bis eine neue Verhaltensweise zur automatisierten Gewohnheit wird, deutlich länger als die populäre „21-Tage-Regel". Diese Phase fällt mit dem zusammen, was in der Musikpädagogik als „Anfänger-Mauer" (Beginner's Wall) bezeichnet wird: der Punkt, an dem technische Schwierigkeiten die anfängliche Begeisterung zu überlagern drohen.
Die Nutzungsdaten von Skoove belegen: Der stärkste Rückgang der Aktivität findet zwischen dem zweiten und dritten Monat statt, genau in jenem Zeitfenster, das die Forschung als kritische Phase identifiziert.
Ein weiterer Grund, warum der Mai ein guter Monat zum Starten ist: Wer Anfang Mai beginnt, erreicht die 66-Tage-Marke Mitte Juli, mitten im Sommer. Lange Abende, weniger Alltagsstress und gute Stimmung bieten optimale Bedingungen, um diese Hürde zu überwinden. Im August steht man auf der anderen Seite der Anfänger-Mauer, bereit, die ersten Lieblingssongs zu spielen.
Die Haltung zählt – nicht nur ergonomisch
Wie Florian Plenge, CEO von Skoove, erklärt, gibt es bei Mai-Startern eine andere Haltung zum Instrumentlernen:
„Was mich bei Mai-Startern immer wieder überrascht, ist die Frage, mit der sie ans Klavier gehen. Januar-Lernende wollen wissen, wie schnell sie Fortschritte machen. Mai-Lernende fragen eher, welchen Song sie als Nächstes lernen sollen. Das klingt banal, ist aber eine ganz andere Haltung, und genau die trägt sie durch die ersten schwierigen Wochen.“
Methodik
Die Analyse basiert auf Engagement-Daten der Klavierlern-App Skoove (Mixpanel-Retention-Bericht). 1.137.446 anonymisierte Nutzende, die sich zwischen Januar 2021 und Dezember 2024 angemeldet haben, wurden nach Startmonat in Kohorten unterteilt. Die Aktivitätsrate wurde über sechs Monate gemessen und über den Vierjahreszeitraum gemittelt. Die dargestellten Werte zeigen die prozentuale Abweichung jeder Monatskohorte vom Gesamtdurchschnitt aller Nutzenden.
Die Analyse zeigt Engagement-Muster innerhalb der Skoove-Plattform. Lernaktivität außerhalb der App (Unterricht, eigenständiges Üben) wird nicht erfasst. Faktoren wie Selbstselektion, Mai-Starter treffen ihre Entscheidung möglicherweise bewusster als Januar-Starter, können das Ergebnis beeinflussen. Eine Aufschlüsselung nach Alter und Region ist für eine Folgeanalyse vorgesehen.
Study by: Skoove & DataPulse Research
Edited by: Susana Pérez Posada
Mit mehr als sieben Jahren Klavierausbildung und einer tiefen Leidenschaft für Musiktherapie bringt Susana eine einzigartige Mischung von Fachwissen zu Skoove. Als Absolventin der Musiktherapie an der SRH Hochschule Heidelberg und als erfahrene klassische Pianistin an der Universidad EAFIT verleiht sie ihrem Unterricht einen ganzheitlichen Ansatz, der über den traditionellen Klavierunterricht hinausgeht. Susanas Texte für Skoove verbinden ihr reichhaltiges musikalisches Wissen mit fesselnden Erzählungen und bereichern so die Lernerfahrung für Pianisten aller Niveaus. Abseits des Klaviers erkundet sie gerne neue Orte und vertieft sich in ein gutes Buch. Sie glaubt, dass diese vielfältigen Erfahrungen ihren kreativen Unterrichtsstil fördern.
Quellen
Dai, H., Milkman, K. L., & Riis, J. (2014). The Fresh Start Effect: Temporal Landmarks Motivate Aspirational Behavior. Management Science, 60(10), 2563–2582.
Lally, P., van Jaarsveld, C. H. M., Potts, H. W. W., & Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology, 40(6), 998–1009.









